StartPolitik und RechtUNICEF Kindertag erneut in der Traumawelle des Lockdowns

UNICEF Kindertag erneut in der Traumawelle des Lockdowns

4. Corona-Welle schießt Dunkelziffer von Kindesmisshandlungen ins Ungeahnte

DIE TRAUMA FOLGEN VON KINDESMISSHANDLUNG

Bereits vor Corona waren die Zahlen erschreckend.
Im März dieses Jahrs, im zweiten Lockdown verzeichnete u.a. die Berliner Gewaltschutzambulanz nicht nur mehr Fälle häuslicher Gewalt, sondern die Verletzungen waren zudem auch schwerer.

Eine körperliche oder sexualisierte Gewalttat geht immer mit einem seelischen Trauma einher.
„Psychische Traumatisierung führt immer zu einer Desorganisation der Persönlichkeit, je nach Typ des Traumas kurz- oder langfristig.“ – schreibt auch Sonja Hintermeier in ihrem Artikel.
Eine schwerwiegende Veränderung der Persönlichkeit verursachen Beziehungs- und Entwicklungs-Traumatisierungen der ersten 10-12 Jahren eines Menschen.
Im ernsthaften Fall kann kein wahres Selbst entstehen oder erfolgt eine Selbstaufgabe mit fatalen Folgen. Das Selbstbewusstsein und eine gesunde Selbstwahrnehmung werden nur eingeschränkt entwickelt.
Eine der bemerkenswertesten Werke der Psychologieliteratur bis heute ist „Das Drama des begabten Kindes“ von Alice Miller, indem die Psychologin die Erziehung unter die Lupe nimmt. Sie beschreibt als Erste, wie sich das Kind an den Bedürfnissen der Eltern anpasst und unerwünschte Gefühle aus der eigenen Persönlichkeit krankmachend ausklammert. Die Traumatisierung blockiert die Entstehung von Selbstbewusstsein.

Unbehandelte Folgen von Kindesmisshandlung bewirken in den meisten Fällen Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu komplexer posttraumatischen Belastungsstörung bzw. Komplextrauma (kPTBS). Jede Persönlichkeitsstörung erhöht das Risiko an einer anderen bzw. weiteren psychischen Störung zu erkranken. So können sich bereits Kinder eine Depression oder eine Angststörung entwickeln.

WIE SICH DIE PERSÖNLICHKEIT DURCH KINDESMISSHANDLUNG VERÄNDERT
Traumatisierung im Kinderalter kann Veränderungen auf allen Ebenen, d.h. Gefühle, Denken, Wahrnehmung, Verhalten und Körper verursachen.
Somit ist eine strukturelle Störung in der Persönlichkeit nicht selten. Hierzu gehören z.B. krankhaftes Misstrauen, soziale Isolierung, Verantwortungslosigkeit, geringes Selbstbewusstsein, Empathie-Mangel, Narzissmus, Perfektionismus, zwanghafte Genauigkeit und Ordnungsliebe oder Ängstlichkeit, beispielweise vor Trennung oder Verlust.

Wenn das Selbstbild durch äußere Faktoren bestimmt wird, ist die Entstehung von Anfälligkeit für weitere Misshandlung anderer Art, wie Mobbing oder emotionale Erpressung nicht mehr weit. Das Selbstbewusstsein fehlt.
Die Neigung der verwundeten Persönlichkeit zu anderen psychischen Leiden wie Burnout, Depression und Angststörungen erhöht sich ebenso.

Heute wissen wir es genau, dass innere Ursachen für Burnout genauso eine Rolle spielen, wie äußere, – beispielweise wenig Selbstbestimmung und dadurch wenig Möglichkeit der Selbsteinteilung von Arbeitsmenge und Terminen.
Das Ausgebrannt-Sein entsteht oft durch eine bestimmte Disposition der Persönlichkeitsmerkmale und Neigungen, die das Burnout sozusagen einladen, das eigene Leben zu vergiften. Hierzu gehören Perfektionismus, Zwänge und Sucht nach Anerkennung oder das Erringen-Wollen von Zugehörigkeit, Wertschätzung und Liebe gegen Leistung.

All diese Veränderungen in der Persönlichkeit haben zumeist die gemeinsame Ursache: der Selbstwert der Erkrankten ist nicht stark genug, um sich zu währen.

KÖNNEN DIESE KINDER JE GLÜCKLICH SEIN?
Eine psychosoziale Unterstützung und eine rechtzeitige und richtige therapeutische Behandlung sind Grundvoraussetzung einer möglichen Heilung von Kindern, Jugendlichen und spät entdeckten Erwachsenen.

Die Folgen von Misshandlung in der Seele bleiben leider viel zu oft und viel zu lange unentdeckt.
Eine Veränderbarkeit entstandener mentalen und psychosomatischen Einschränkungen und Schäden wird im Erwachsenenalter zunehmend schwer, bis gar nicht mehr möglich.
Mit dieser Materie beschäftigt sich der Hirnforscher Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth (u.a. „Wie das Gehirn die Seele macht“ und „Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern“) seit Jahrzehnten und zeigt die Ursachen und Möglichkeiten aus neurobiologischer Sicht auf.
Die gemeinsamen Werke mit der – u.a. „Coaching und Beratung und Gehirn“-, untersuchen sämtliche psychologischen Therapieansätze auf Möglichkeit einer Veränderung.
Die Veränderbarkeit eines Menschen aus neurobiologischer sowie psychologischer Perspektive ist nicht grenzenlos, aber in vielen Fällen möglich. Der Stellschraube zu einer Veränderung lautet Selbstbewusstsein.

DIE BEZIEHUNG ZU DEN TÄTERN UND ZU UNS SELBST WIEDER FRIEDVOLL ?
Bezugspersonen können sowohl zu der emotionalen Hauptperson als auch einer tiefst schmerzhaften Leerstelle, – bestehend aus Angst, Sehnsucht, Wut und Vermissen – werden.

Nach der Scheidung meiner Eltern, hatte meine Mutter meine Schwester und mich allein, als Berufstätige großgezogen. Sie war mit der Situation grenzenlos überfordert und hat der unverarbeitete Schmerz bei ihr pure Verzweiflung ausgelöst. Ich erinnere mich noch, wie sie abends immer geweint hatte. Dann kamen Bitterkeit und zuletzt der Terror und Gewalt über uns Kinder als Ersatz für die Vergeltung an meinem Vater. Sobald ich als Volljährige gehen konnte, tat ich es. Mit vielen, sehr tiefen Narben und schlimmen Erinnerungen. Dennoch, heute, kann ich es ganz klar sehen und verstehen, wie sich die Liebe und Zuwendung meiner Mutter verwandeln konnten.
Als Erwachsene sehe ich es. Als Kind denkt man nur ans Überleben…

Heute bin ich mir sicher, dass wenn meine Mutter damals Hilfe von der Gesellschaft, vom Arbeitgeber und der Familie gehabt hätte, wäre unser Lebensweg ein anderer geworden.
Anstelle Hilfe mussten wir Tabuisierung begegnen.

Tabuisierung macht aber die Seele krank. Verurteilen von Lebensereignissen und Lebensentscheidungen, Zusprechen der Opferrolle als „Verlassene“ oder Vergewaltigten mit „Brandmal“ zu versehen, sind nicht von Wohlwollen geleitet.
Wie erst vor kurzem die rbb Abendschau berichtete, Tabuisierung verursacht sogar, dass sich Erkrankten auf Therapie verzichten.

Das ist eine Gesellschaft, die krankmacht, ohne dessen bewusst zu sein, was dadurch Eltern, Kinder und Arbeitgeber angetan wird. Hier ist unbedingt Handlungsbedarf, um die Millionen Betroffenen zu schützen und potenziell zukünftige Täter von der Misshandlung abzuhalten.

WEGE ZUM GLÜCK TROTZ MISSBRAUCH
Jedes traumatisierende Erlebnis bedarf die Stabilisierung und die Sortierung u.a. der Gefühle, Gedanken und Körperempfindungen als erster Schritt. Es hilft, sich Zeit zu nehmen. Zeit für das Innehalten und das Verstehen. Zeit für das innere Kind in uns, welches bis heute verletzt in der Tiefe ruft. Zeit für die Selbsterkenntnis und die eigentliche, wahre Selbstwahrnehmung und Selbstwerdung.

Während meiner Karrierezeiten von 25 Jahren fehlte es mir ständig an wirksamen Hilfestellungen und Werkzeuge für Alltag und das Business. Weder ich noch mein Arbeitsumfeld wusste es, wie man damit am besten umgeht und wie die Scham und Erschöpfung in Mut und Offenheit transformiert werden kann. Auch meine Therapeuten waren ratlos, wie ich damit am Arbeitsplatz so umgehe, dass ich keinen Schaden erleide.

Die einmalige Macht der Freiheit und Selbstgestaltung zu ergreifen, lohnt sich!

Durch die Entdeckung von dem eigenen Selbstwert und die kontinuierliche Stärkung dessen, ermöglicht uns den Weg zur Entdeckung eigener Werte und Grenzen und somit zu einem selbst bestimmten Leben.
Auch die Versöhnung mit den Erinnerungen und den eigenen Weg mit Tapferkeit und dem Vertrauen darauf, was uns ausmacht und, dass es richtig ist, diesen Weg anzugehen, könnte ein neuer Anker moderner Zeiten sein.

Gabriella Rist arbeitet als kPTBS Coach, Psychologischer Berater und Business Experte. Sie unterstützt primär Menschen mit Kindheitstrauma dabei, im Alltag und Business ein besseres Leben zu haben und macht ihre einzigartigen Stärken für Unternehmen sichtbar.

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