StartWirtschaft und FinanzenTreibt der Mineralölkonzern seinen Pächter in den Ruin?

Treibt der Mineralölkonzern seinen Pächter in den Ruin?

An der Q1 Aral Tankstelle in Witzenhausen, gibt es unzählige Mängel, verzweifelte Mitarbeiter und einen Konzern, der seinen Pächter im Stich lässt!

Witzenhausen (Hessen) – Im März 2020 verkaufte die Aral AG, seine Tankstelle in Witzenhausen, an die Q1 Energie AG. Dabei kauften sie auch den damalig stellvertretenden Geschäftsführer, Fabian Presler (31) und sein Team, mit.

Er übernahm im März 2020 den Standort als Pächter und 3 Jahre nach der Übernahme, ist es ein Albtraum für die Angestellten und deren Chef. Der junge Unternehmer setze sich starkt für die Kundschaft und auch Mitarbeiter an dem Standort ein, wodurch er ein sehr beliebter Unternehmer, der Region ist.

Als Pächter der Tankstelle, ist er für den Verkauf der Waren im Shop verantwortlich und gibt Mängel an dem Objekt oder Hof, direkt an den Mineralölkonzern weiter. Wie BILD verganenen Montag berichtete, gibt es massive Mängel an dem Pachtobjekt, welche auch dazu geführt haben, dass die Kreisverwaltung den Standort in Teilen schließen musste. Der Pächter hatte diese Mängel mehrfach an den Konzern gemeldet, diese scheinen aber nicht reagiert zu haben. Auch gab es „unzählige Versprechungen, zur Unterstützung vor Ort, von dem Bezirksleiter“. Nach monatelangen Gesprächen und Versuchen der Klärung, ging der junge Unternehmer, mit seinem TikTok-Kanal (@Superunverbleit), mit einem Hilferuf, an die Öffentlichkeit. Hier berichtet und zeigt er, unvorstellbare Zustände an der Tankstelle und berichtet von schwerwiegenden Vorgehen des Mineralölkonzerns, der die Mängel zuerst abgestritten hatte.

„Wir haben die Gespräche, die Vorkommnisse und alles, was dazugehört, seit Jahren aufgezeichnet, dokomentiert und gesichert“, sagt Fabian Presler auf Anfrage. „Wir mussten diesen Schritt gehen und haben uns auch an die Aral, mit unzähligen Hilferufen gewandt“! Tatsächlich zeigen die Aufzeichnungen und auch Bilder in der BILD-Zeitung (Die Zankstelle von Witzenhausen), dass das Gebäude in einem sehr schlechten Zustand ist. „Wir gehen von einer gesundheitsgefährdeten Lage aus…“ – so Presler weiter. Auch die Kunden bestätigen auf Anfrage, dass sie „den Pächter lange kennen und …den Mineralölkonzern nicht verstehen können“!

Am 10.03.23 versuchte der Konzern, nach unzähligen Versuchen der Klärung und Hilferufe, seinen Pächter aus dem Unternehmen zu jagen. Dies scheiterte aber schnell und wurde dabei live ins Internet übertragen. Man hörte, wie der Vertreter des Konzerns, irritiert war und dann, nach den direkten Ansprachen des Herrn Preslers, unverrichterter Dinge ging. „Für Sie gilt Haus-/ und Hofverbot!“ – hörte man klar und deutlich, woran sich der Konzern auch halten sollte. Presler hat eine Schutzschrift vor dem Oberlandesgericht, kann dadurch nicht einfach so aus seinem Unternehmen geholt werden. Das gefällt dem Konzern gar nicht! „Es dauerte wenige Minuten, da terroressierte man schon unsere Anwälte und war sichtlich sauer, dass man nicht weitergekommen war“ – so Presler. Dann sperrte man von außen, die Zapfpunkte und Terminals. Man meldete die Tankstelle aus dem Netz ab und nahm Presler damit jede Grundlage der Wirtschaftlichkeit. Dies tat der Konzern in vielen einzelenen Schritten, bishin zu den Vorfällen am Freitag. Erst wurden Mängel nicht beseitigt, dann Zahlungen und Versprechen nicht eingehalten, dann die Waschhalle gesperrt, der Kontakt eingestellt, sobald es ungemütlich wurde. Dann wurden Absprachen abgstritten, später Zapfpunkte, welche funktionierten, abgebaut und damit die Werkstatt blockiert. Am Freitag kam dann der Versuch der Übernahme, die der Konzern bereits seit Monaten geplant und schon einmal im Januar versucht, hatte. Als all diese Versuche der mutwilligen Zerstörung, von Presler abgewehrt wurden, griffen sie zur kompletten Abmeldung des Standortes. „Das Mafia-Methoden, ein Relikt aus dem 19. Jahrhundert“, sagt Herbert W. Rabl, Pressesprecher des Tankstellen-Interessenverbandes gegenüber BILD. Auch hier stößt man auf Kopfschütteln und absolutes Unverständnis, denn nur wenige Tage zuvor, teilte die Q1 Energie AG, dem Tankstellen-Interessenverband noch mit, dass „Die Mängel und wirtschaftliche Situation an dem Standort bekannt sein. Man wollte sogar eine zweite Tankstelle in Aussicht stellen…“ – Nur wenige Stunden später zeigte sich, dass die Pläne des Konzerns ganz anders sind. Ihren Aussagen folgten keine Handlungen, sondern absolutes Missverhalten und die Einstellungen der Gesamtkommunikation.

Der letzte Versuch war dann ein Plangespräch bei dem Steuerberater von Presler. Hier versuchte man Presler erneut unter Druck zu setzen, suchte Fehler bei ihm und seinem Personal und versprach Hilfe, wenn Presler über den Konzern bestellt. Immer wieder wurden auch hier die Mängel erneut angesprochen, jedoch stieß dies auf taube Ohren. Kurz darauf teilte man mit, dass man erneut und nun auch ohne Rücksicht, Zahlungen, Hilfen und weiteres einstellen werde. Für Presler nichts neues, denn dies tat der Konzern bereits seit langem. „Ich musste dann weitere Schritte einleiten und da ich keine Pacht mehr kürzen konnte, musste ich, nachdem wir dreimal gemahnt hatten, die Gelder kürzen“. Dies veranlasste den Konzern dann zu einer Kündigung, die bei Presler sogar erst einen Tag nach Erfüllung, eingegangen war. „Ich lass mich doch nicht aus meiner Firma werfen, weil die zu unfähig sind, ihre Fehler zu beseitigen und für ihr Versagen geradestehen“, sagt der sichtlich angeschlagene Pächter. Er hatte sogar mehrfach Stromschläge durch Feuchtigkeit erlitten, die durch das Dach eingedrungen waren. In seinem Büro liegen Teile der Decke auf dem Schreibtisch, es riecht nach Kaller und Feuchtigkeit in dem Objekt. Ob Schimmel unter dem Dach ist, kann man so nicht sagen.

Neben den massiven Mängeln, gibt es auch vertraglich große Probleme. Der junge Unternehmer und seine Mitarbeiter reden offen über den Druck des Konzerns, bei bestimmten Lieferanten bestellen zu müssen. Dabei bekommen sie auch teilweise vorgeschrieben was sie, zu welchem Preis, kaufen müssen. „Es ist schlimm, wenn ich als eigenständiger Kaufmann gesagt bekomme, dass ich aussschlißlich bei dem vom Konzern vorgesehenen Lieferanten bestellen darf, damit ich Unterstützung erhalte“. Das bestätigen auch zwei weitere Pächter vom gleichen Konzern. „Es gibt noch viele weitere Kollegen im Umkreis und Konzern, die ähnliche Sorgen haben, unsere Station wurde bereits vor Wochen, bei anderen angeboten“. Das Vorgehen könnte nun tatsächlich auch die Aufsichtsbehörden auf den Plan rufen, denn die vorgelegten Unterlagen und Infos zeigen auf, dass es kein Einzelfall ist. Der Konzern will an alle Enden mitverdienen und setzt dabei auf raffinierte Tricks gegenüber den oft unwissenden Pächtern.

Die Aral AG, war nach dem BILD-Artikel, vor Ort und machte sich selbst ein Bild der Lage. Immerhin ist die Tankstelle auch mit ihrem Logo versehen und dort wird Aral-Sprit verkauft. Ob für den bochumer Konzern „Alles Super“ ist, hört man aus dem BILD-Artikel nicht raus. Jedoch steht Presler zu seinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb und hat gegen seiner bochumer Kollegen nichts einzuwenden. „wie ich meine bochumer Kollegen kenne, sind sie … auf ein ehrliches Miteinander… fokusiert“. Weiter sagt er „ich habe meinen alten Beruf an den Nagel gehangen, um bei Aral Karriere zu machen, für mich hat alles gepasst und ich bin unendlich dankbar, für die vielen und lehrreichen Stunden. Ich sehe die Aral als einen Player und stark auf Mitarbeiter fokusiertes Unternehmen. Nicht umsonst habe ich eine eigenen, historischen Zapfpunkt in meiner Station stehen, der meine Zugehörigkeit zu meinen Kollegen aufzeigen soll“.

Aktuell hat die Q1 Energie AG, jegliche Kommunikation eingestellt und sich zu dem eigenen, massiven Vorgehen nicht geäußert. Gegenüber BILD widersprechen sie sich der Konzern in seinen Aussagen und wollen von den Mängeln erst seit dem „Winter“ wissen, andere seien jahrelang bekannt. Für den Konzern lag es nicht an ihnen, sondern „an den fehlenden Handwerkern und Materialien“. Dass nebenbei aber unzählige Tankstellen aufgekauft und umgebaut wurden, verschwiegen die Osnabrücker. Aber auch, dass bereits Meldungen zu den Schäden am Dach, seit Mai 2020 vorliegen.

Presler ruft zudem nach dem Kartelamt, welches genauer hinschauen soll: „Es wird in den Vereinbarungen geschrieben „…man „kann“ bei dem „Empfehlungslieferanten“ bestellen. Wenn die Bezirksleiter aber hören, dass man zu seinen eigenen Konditionen bestellen möchte, wird Druck ausgeübt und man bekommt klar gesagt, dass man Hilfen auschließlich nur dann erhällt, wenn man beim Konzern und seinem Lieferanten, zu überteuerten Preisen und vorgegeben Valuten bestellt“. Tatsächlich kauf Presler deutlich günstiger bei anderen Lieferanten ein, konnte dadurch seine Margen und somit auch Kosten überhaupt decken. Das bestätigten auch andere Pächter auf Anfrage. „Kaum einer weiß, wie viel man wirklich an der Tankstelle verdient und wie hart es für die Pächter ist“- sagen die Mitstreiter über die aktuelle Situation.

Von der Öffentlichkeit, Kunden, Zuschauern, Ortspolitik, bekommt Presler Zuspruch und Hilfestellungen. Seine Videos im Social-Media, werden tausendfach aufgerufen. Fernsehsender, Nachrichtenageturen und andere TikToker, werden unter dem Video markiert und um Hilfe gebeten. „Ich bin mir sicher, dass es der richtige Schritt war! Ich habe viel zu lange, die Stange gehalten und musste mit meinen Sorgen an die Öffentlichkeit. Immerhin geht es auch um 9 Mitarbeiter, eine ganze Firma, Kundenzufriedenheit und vieles mehr“.

Ob der Konzern, nach dem öffentlichen Druck nachgibt und seinen Verpflichtungen nachkommt, bleibt abzuwarten. Bisher zeigen sie sich unbeeindruckt und online wird der Ruf lauter, dass die Aral tätig werden muss. Zudem wurde auch die Kreisverwaltung angesprochen. Eine entsprechende Petition wurde veröffentlicht. Der Konzern bestellte nur eine Handyhalterung für die Tankstelle -„sie finden das bestimmt witzig und gehen so, auf die Videos ein“. Presler bleibt weiter an seiner Tankstelle und kämpft um sein Recht, ob es sich lohnt, wird man erst in der Zukunft sehen. (ywaw)

Die Q1 Aral Tankstelle Witzenhausen, ist ein im März 2020 gegründetes Unternehmen im Werra Meißner Kreis. Es gilt als Saveplace für die LGBTQ+-Gruppe und ist Nahversorger, sowie Treffpunkt in der Kirschenstadt.

Kontakt
Q1 Aral Tankstelle Witzenhausen
Fabian Presler
Walburger Str. 51
37213 Witzenhausen
055422348
055422334
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